Christoph Cantzler - Spieleautor

NOVA SPIELE

Drei Fragen an...

 

Christoph Cantzler

- Spieleautor

 

Christoph Cantzler träumte von einer Karriere als Schriftsteller. Als ein von ihm verfasstes Theaterstück nicht aufgeführt wurde, machte er daraus 1991 sein erstes Gesellschaftsspiel, dem zahlreiche folgten. Heute ist er ein erfolgreicher Spieleautor. Sein bisher erfolgreichstes Spiel – gemessen an der medialen Aufmerksamkeit – ist das Geschicklichkeitsspiel Riff Raff, das 2013 auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres stand und ein Jahr später in Frankreich Kinderspiel des Jahres wurde. Neben seiner Tätigkeit für Verlage entwickelt er auch Lern- und Spielkonzepte für Unternehmen außerhalb der Spielebranche.

 

 

1.Woher nimmst Du deine vielen Ideen für immer neue Spiele?

 

Einmal angefangen mit der Spieleentwicklung geht es fast von alleine weiter. Die Tätigkeit ist ja selbst ein Spiel. Und im Spiel kommen neue Ideen. Entscheidend ist auch, wie Kinder und Erwachsene eine Idee aufnehmen und was sie daraus machen. So kann es auch vorkommen, dass sich eine Idee auch sehr verändert und etwas ganz anderes aus dem Spiel wird als ursprünglich gedacht.

Die Up + Down Kugelspiele, die im Frühjahr bei moses erschei-nen, waren zum Beispiel nur ein Teil eines Geschicklichkeits-spiels und sollten dazu dienen, die Zugdauer eines Spielers zu begrenzen. Mein Sohn Moritz hat dieses Spielteil dann in die Finger bekommen und sich über Stunden damit beschäftigt. Es brauchte also nicht unbedingt ein größeres Konzept, um das Spiel herum. Auch meiner Kollegin Anja Wrede haben die Kugelspiele gefallen und so entwickelten wir gemeinsam eine ganze Reihe. Wichtig scheint mir die spielerische Haltung. Im Spiel, in der spielerischen Auseinandersetzung mit der Umwelt entstehen also immer wieder neue Ideen.

 

2. Gibt es aus deiner Sicht Kriterien, die ein Spiel besonders erfolgreich machen? Hattest Du z.B. bei Riff Raff eine gewisse Vorahnung oder hat dich der Erfolg selbst überrascht?

 

Die Nominierung in Frankreich hat mich absolut überrascht; es gab eine Ahnung, dass es irgendwie „ernst“ werden könnte, als ich in Cannes bei der Preisverleihung war, aber ich habe überhaupt nicht damit gerechnet. Der Erfolg von Spielen lässt sich nicht planen und dann einfach umsetzen. Aber Spiele sollten und brauchen einen Sog, der mich und viele andere in ihren Bann ziehen. Ich habe dann das Gefühl, ich bin dem Spiel verpflichtet, muss es machen. Daraus lassen sich jedoch keine zuverlässigen Verkaufsprognosen ableiten.

 

3. Ist Spieleautor inzwischen dein „Traumberuf“ und gibt es Tipps, die du jungen Spieleautorinnen und Spieleautoren auf den Weg geben möchtest?

 

Für mich ist es Spieleerfinden ein Traumberuf, aber ich würde diesen Beruf niemanden empfehlen, der ihn nicht von sich aus ergreifen möchte. Darauf muss man selbst kommen.

 

Entscheidend sind die Motivation und der Blick auf die Interessen Anderer. Spiele erfinden heißt für mich, Mitspieler zu finden. Menschen, die am Spiel interessiert und die auch daran interes-siert sind, weitere Mitspieler zu finden. Im Verlag, im Handel, überall dort, wo gespielt wird. Wichtig ist mir, selbst ein guter Mitspieler zu sein. Hat sich ein Verlag für ein Konzept entschie-den, geht die Arbeit am Spiel ja dort weiter. Ich bestimme dann nicht allein. Gut läuft es, wenn aus der Zusammenarbeit ein Zusammenspiel wird. Nicht nur am Spiel, sondern auch am Zusammenspiel interessiert zu sein, ist wichtig, sinnvoll und ein Gewinn für alle Beteiligten.